Engagement in der Jugendarbeit gewürdigt

Einbecker Jugendpreis für Ewald Marschler, Jan Störmer und jugendliche Guides der Anne-Frank-Ausstellung

Ausgezeichnet mit dem Einbecker Jugendpreis wurden Jan Störmer (links), Ewald Marschler (Zweiter von rechts) und die jugendlichen Guides der Anne-Frank-Ausstellung (Mitte). Ihnen gratulierten die Mitglieder des Stadtjugendrings.

Einbeck. Die vielen Frauen und Männer, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, bereichern das Leben vor Ort und leisten einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwesen, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Verleihung des Einbecker Jugendpreises in der Multifunktionshalle. Sie setzen sich mit Hingabe ein, dies sei lobenswert und zu würdigen. Viel Beifall gab es für die diesjährigen Preisträger Jan Störmer, Ewald Marschler sowie die 17 jugendlichen Guides der Anne-Frank-Ausstellung im Haus der Jugend.

Sven Schröder, Vorsitzender des Stadtjugendrings, freute sich, zu der Veranstaltung viele Personen begrüßen zu können. Dies sei eine Wertschätzung der Arbeit der Preisträger, aber auch für alle, die sich aufopferungsvoll in der Kinder- und Jugendarbeit einsetzen.

Zahlreiche Themen wie Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Tankrabatt, Gendern oder Neun-Euro-Ticket bestimmen momentan das Tagesgeschehen. Auf sie wolle er nicht eingehen, sagte Schröder. Wichtig sei bei der Preisverleihung in der Multifunktionshalle, Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die sich mit Freude für andere einsetzen.

Die Jugendarbeit in Einbeck nehme wieder Fahrt auf, betonte er. Ein gutes Beispiel sei die neue Multifunktionshalle. Sie werde gut genutzt und sei ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche, aber auch ein schöner Versammlungsort für besondere Veranstaltungen.

Vieles Neue entstehe wie die Downhill-Strecke im Einbecker Stadtwald – gepaart mit der Gründung eines Vereins, der sich um sie kümmere. Immer wieder benötige es neue Ideen, um etwas umzusetzen, aber auch »Macher«, die mit Begeisterung vorangehen.

Der Stadtjugendring verstehe sich als Partner der rund 50 Mitgliedsvereine. Ein gutes Netzwerk bestehe, doch könne man es noch weiter ausbauen. Nicht nur ein Förderer von Anschaffungen sei der Stadtjugendring, sondern ein guter Vermittler, Ratgeber und Unterstützer. Schröder regte an, gern ihn und seine Vorstandskollegen zu kontaktieren, denn gemeinsam könnte man vieles schaffen, was ein Einzelner nicht so leicht vermag.
Ehrenamtliche, die sich für Vereine, Gruppierungen oder Projekte engagieren, gelte es zu würdigen, so Dr. Michalek. Dies nehme der Stadtjugendring wahr und zeichne seit 1988 außergewöhnliche Personen für ihren Einsatz aus. Zahlreiche Menschen leisten vor Ort herausragende Arbeit. Während andere sagen »man müsste, man könnte oder man sollte«, schieben sie den Konjunktiv beiseite; »sie machen« und füllen die Jugendarbeit mit Leben.
Durch »Opferung« von Zeit, Kraft, Nerven und Engagement ermöglichen sie Kindern und Jugendlichen immer wieder besondere Momente. Sie bereichern das Leben und die Gesellschaft, darauf können sie stolz sein.

Ein besonderes Projekt stellte Luis Kretzschmar vor. In Namibia an der Eluwa Special School für gehörlose und blinde Kinder in Ongwediva verbringt er ab Herbst ein Freiwilliges Jahr im Sport und will versuchen, seine Kenntnisse in verschiedenen Sportarten zu vermitteln. Neben Spaß an Aktivitäten und neuen Dingen, sei es auch möglich, Emotionen zu teilen und sich miteinander verbunden zu fühlen. Sport fungiere als Brücke zwischen Menschen, betonte er. Wer mehr darüber wissen oder ihn bei seinem Vorhaben unterstützen möchte, kann unter E-Mail luiskret@gmail.com Kontakt aufnehmen.

Laudator Ulrich Minkner stellte den ersten Preisträger vor: Ewald Marschler. Vor 32 Jahren kam der katholische Pfarrer nach Einbeck, hinterließ viele Spuren und prägte das Gemeindeleben. Im September wechselt er in den wohlverdienten Ruhestand.

Früher habe er einmal etwas »Ordentliches« gelernt. Vor seinem Theologiestudium war er Kaufmann. Rege sei er in Einbeck unterwegs, die Bürger kennen ihn als aktiven Christen. In der Ökumene habe er Spuren hinterlassen; mit Herzblut engagiere er sich bei der Tafel oder in der Jugendarbeit.

Ein »Highlight« sei jedes Jahr die Sternsingeraktion, so Minkner. Vor Urzeiten wurden dabei einige wenige Haushalte besucht, Marschler weitete das aus. Zwischen Weihnachten und Dreikönigstag seien jedes Jahr zahlreicher Kinder- und Jugendliche jeder Religion oder Konfession mit Betreuern unterwegs. Sie besuchen Haushalte, aber auch Firmen, Fabriken und Geschäfte. Unternehmen stellen Kleinbusse zur Verfügung, damit der Segen in möglichst viele Häuser gebracht werden kann. Unglaubliche Arbeit leistet Marschler jedes Jahr mit seinem Team. Beim relativen Spendenaufkommen – bezogen auf die Größe des Einzugsgebietes – liege Einbeck in Deutschland an zweiter Stelle. Das sei etwas Unvorstellbares – und vor allem ein Verdienst von Pfarrer Ewald Marschler seit 32 Jahren.

»Mut«, etwas Neues zu machen, was oft nicht ganz einfach sei, stelle sich meistens als nicht einfach dar, so Kerstin Hillebrecht. Bei Herausforderungen sich unter der eigenen Decke zu verstecken, das ziehen einige vor; andere wagen den Sprung ins kalte Wasser, suchen nach Lösungen. Sie »schwimmen sich frei«. Genau dies treffe auf die 17 jugendlichen Guides der Anne-Frank-Austellung zu, lobte sie. Das waren unter anderem Lucy Becker, Norea Re, Viktoria Reschke, Inke Bracharz, Salome Sölter, George Khder, Viktoria Schön, Leonie Rostowzew, Henrike Schütte, Emma Schunke, Jakob Thoma, Elias Ulrich, Lena-Marie Reger und Lucia Wollenweber. Die Exposition war eine Kooperation vom Anne-Frank-Zentrum Berlin, von »Demokratie leben« Northeim, vom Verein »mutig Einbeck« und vom Netzwerk NETVIP Einbeck, um anderen das Leben von Anne Frank näherzubringen.

Die 17 Jugendlichen investierten viel Zeit, um Schüler der weiterführenden Schulen die Ausstellung mit all ihren Aspekten wie Hass, Mord oder Massenvernichtung näherzubringen. In vier Wochen boten sie mehr als 30 jeweils zweistündige Führungen an, an denen rund 1.100 Personen teilnahmen. Im Anschluss wurden einige der Einbecker Tour-Guides nach Berlin ins Anne-Frank-Zentrum eingeladen, um bei einem neuen Geschichtsprojekt mitzuarbeiten.
»Ihr tragt keine Schuld für das, was passiert ist, aber ihr macht euch schuldig, wenn es euch nicht interessiert«, zitierte Kerstin Hillebrecht Zeitzeugin Esther Bejarano. Diese Aussage befolgten die 17 Jugendlichen und informierten ihre Mitschüler über nicht einfache Zeiten in Deutschland.

Eine große Überraschung hatte Vorsitzender Sven Schröder mit den Laudatoren Katharina Schlünder und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michale für Jan Störmer vorbereitet, die Verleihung des Einbecker Jugendpreises. »Du hast es verdient, so zahlreich, wie Du Dich engagierst«, betonte Schlünder. Sie erachtete ihn als Herzensmensch, Seelenverwandten und als Person, die immer gern helfe. Seit 2002 engagiert er sich ehrenamtlich im Jugendrotkreuz, seit 2006 leitet er den JRK-Ortsverein. In der DRK-Bereitschaft sei er auch seit vielen Jahren aktiv und stand dem Stadtjugendring von 2013 bis 2021 vor. »Durch Deine Persönlichkeit hast Du viele Menschen verzaubert. Schön, dass es Dich gibt«, sagte Schlünder.

Ob JRK, Blutspende, Schulsanitätsdienst oder Stadtjugendring, in vielen Bereichen treffe man auf Störmer, so Dr. Michalek. Er helfe und setze sich mit seinem fröhlichen Wesen in vielen Bereichen ein. Das Wohl der Mitbürger und der Jugendlichen sei ihm wichtig, mit Herzblut setze er sich dafür ein. Hilfe anzubieten und zu unterstützen, sei für ihn das Selbstverständlichste. Er lebe aus vollster Überzeugung das Ehrenamt – der Jugendpreis sei eine Würdigung seiner Verdienste, erklärte die Bürgermeisterin.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von der Nachwuchsband »The Preceders« mit Anna Kühn, Levin Jeske, Jan Deiters, Colin de Paduanis und Lars Valentin. Vor vier Jahren gegründet, dreht sich bei ihnen alles um Rock’n’Roll. Sie boten dem Publikum eine große Bandbreite bekannter Songs und erhielten großen Beifall. Gleiches galt auch für die bekannte und beliebte Musikgruppe »Chair-o-Plane«. Bei der Jugendpreisverleihung feierten sie 33-jähriges Bandbestehen und begeisterten die Anwesenden zum wiederholten Mal mit ihrem Auftritt. Es wurden mitgesungen oder mitgetanzt und sich schon auf das nächste Konzert von »Chair-o-Plane« gefreut.mru

Fische im Werk Franz Cestniks

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