Erster Bauabschnitt am Marktkirchturm ist beendet

Arbeiten am Oktogon sind fertiggestellt / Gerüst wird teilweise abgenommen / Zweiter Abschnitt hat bereits begonnen

Der erste Bauabschnitt ist beendet, der zweite konnte bereits begonnen werden: Informationen von der Baustelle Marktkirchturm haben Pastoren und Vorstände der Einbecker Kirchengemeinde jetzt erhalten, ebenso Mitglieder des Bauausschusses.

Einbeck. Der erste Bauabschnitt ist in dieser Woche beendet worden, das Oktogon wird nun im Bereich oberhalb der Turmuhr abgerüstet. Das konnten der Bauleiter, Architekt Axel Holst, und Eberhard Thiemann, Fachingenieur für Natursteinarbeiten, im Baubüro im Alten Rathaus mitteilen. Die Vorarbeiten, erinnerte Holst, seien nicht einfach gewesen, denn die Stadt Einbeck, die zur Hälfte für den Unterhalt aufkommen müsse, habe man mit ins Boot holen müssen – angesichts der immensen Bausummen keine leichte Aufgabe. Erst im vergangenen Jahr habe es grünes Licht gegeben.

Die Marktkirche St. Jacobi stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Sie wurde dem Heiligen Jakobus, dem Schutzpatron der reisenden Kaufleute, geweiht. Der 65 Meter hohe Turm stammt aus dem 17./18. Jahrhundert. Da er sich neigte – inzwischen rund 1,50 Meter aus dem Lot –, wurde 1741 an der Westseite eine Stützmauer, ein Risalit, eingezogen. Für die Finanzierung verkaufte die Stadt ihre letzten Kanonen. Ursprünglich war ein Doppelturm geplant, schließlich entschied man sich doch für einen einzelnen Turm, diese Konstruktion erwies sich als statisch problematisch.

Während der 1950er, 60er und 70er Jahre sind immer wieder Schäden festgestellt worden. Der Wesersandstein wurde mit Steinersatzmasse auf Zementbasis repariert mit der Folge, dass sich sogenannte Schalen großflächig abgelöst haben. Durch herabstürzende Teile wurden Passanten gefährdet, und der Turm erlitt zudem weitere Schädigungen: »Wie Karies« seien solche Löcher, erläuterten die Experten. Wasser könne ins geschädigte Mauerwerk eindringen, durch Aufquellen werde es weiter beschädigt, schließlich setze sich das in galoppierendem Tempo fort. 2005/06 wurde erstmals ein Fanggerüst angebaut, die schadhaften Stellen wurden abgetragen.

Ein 2008 erstelltes Gutachten hat den Schädigungsgrad jedes einzelnen Steins erfasst. Dabei wurde auch festgestellt, dass die Holzkonstruktion des Turmdachs beschädigt ist. Hier wurden rund 80.000 Euro für die Instandsetzung investiert. Für den Turm selbst sollten nach einer ersten Schätzung in steinsichtiger Fassung rund zwölf Millionen Euro aufgebracht werden – eine Summe, die alle Beteiligten geradezu erschlagen hat. Verschiedene Varianten, beispielsweise mit Kupferverkleidung, mit Putz oder sogar ein teilweiser Abriss des Turms mit Aufsetzen eines Satteldachs, wurden diskutiert, und immer kamen Millionenbeträge ins Spiel. Die Komplettsanierung in Naturstein hätte 7,5 Millionen Euro gekostet. Bei einer weiteren Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass die Schäden nicht so groß sind wie zunächst gedacht und dass die Maßnahme auch nicht so teuer wird. Entsprechend soll der Turm steinsichtig bleiben. Die Kosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro, verteilt auf vier Jahre und je zur Hälfte von der Landeskirche und von der Stadt finanziert.

Im Mai 2010 wurde die Baustelle eingerichtet, im Juli haben die Steinmetzarbeiten begonnen. Spezialmörtel kam zum Einsatz. Ein Stahlanker um den Turm wurde mit Blei ummantelt. Im August wurden die Gewände erneuert, neues Maßwerk für die Fenster wurde eingesetzt, ebenso neue Windeisen. Mit dem ersten Bauabschnitt sei man soeben fertig geworden, berichtete Axel Holst vom Amt für Bau- und Kunstpflege in Hannover; bis 2013, so sieht es der Bauplan vor, wird jährlich ein Bauabschnitt abgearbeitet – mit dem zweiten Teil wurde bereits begonnen.ek

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