Die Hundebombe:

Kuriosität aus dem Hause Stukenbrok

Einbeck. Vor hundert Jahren bot der Stukenbrok-Katalog eine Produktpalette an, die in ihrer Größe und Vielfalt heute nur von einem bekannten Internetauktionshaus erreicht wird. Die Marke ASTE (August Stukenbrok Einbeck) ließ keinen Käuferwunsch offen. Hatte der Katalog 1900 »erst« knapp über 100 Seiten und 100.000 Exemplare, waren es 1907 schon 400 Seiten mit einer Auflage von einer halben Million Katalogen, Tendenz stark steigend.

Blättert man heutzutage in den alten Stukenbrok-Katalogen, finden sich im Sortiment zahlreiche Artikel, die, aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts betrachtet, verwundern. Vor längerer Zeit wurde hier bereits über die Schreckschusspistole »Aste-Scheintot« berichtet. Die heutige Abbildung zeigt die Hundebombe Nr. 4289. Stukenbrok warb in der Artikel-Überschrift mit »Schutz gegen Hunde für Radfahrer und Automobilisten. Bester Schutz gegen die Belästigungen von Hunden, bestehend aus leicht explosiven, dabei völlig ungefährlichen Stoffen. Man hat nur nötig, die Hundebomben auf die Erde zu werfen, wobei sie schussähnlich explodieren.

Verletzungen des Hundes oder des Radfahrers selbst, auch wenn die Bombe in unmittelbarer Nähe niederläßt, sind ausgeschlossen«. Die Hundebombe mit der Bestellnummer Nr. 3498 war das große Modell und für Radfahrer geeignet. »Automobilisten« empfahl Stukenbrok jedoch die Hundebombe Nr. 4289, die »extra große Form, ganz besonders stark knallend«.

Das »Kistchen« in fünf Schachteln zu zehn Stück kostete eine Mark achtzig. Autos gab es um 1900 noch recht wenige, doch Fahrräder waren um die Jahrhundertwende kein unüblicher Anblick mehr. 10.000 Fahrräder verkaufte Stukenbrock, 1902 bis 1904 waren es 21.000 Fahrräder, 1906 sogar 22.000. Kaum vorstellbar, dass die Einbecker Radfahrer im Jahre 1900 mit einem Vorrat Hundebomben durch die Straßen der Innenstadt fuhren, um sie »im geeigneten Augenblick stets fertig zur Hand« zu haben:

Auf der Marktstraße geht alle halbe Stunde eine Salve los, weil der Hund von Metzger Meyer freudig mit dem Schwanz wedelnd jedem Fahrrad nachlaufen muss. Durch die ganze Innenstadt dröhnen die Salven, denn in jedem Hof wohnt mindestens ein Hund… Abgesehen davon, dass solche Knallkörper im Gegensatz zum Text der Anzeige sehr wohl gefährlich für den Hund waren: wenn jeder Tag wie Silvester anmutet, werden auch die Ohren der gutmütigsten Anlieger mürbe. Hundebomben hatten sicherlich keine große Zukunftwk

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