Neue Sonderausstellung steht »unter Strom«

130 Jahre Elektromobilität auf Rädern ab Sonntag im PS.SPEICHER | Ältestes Fahrzeug von 1888

Stifter Karl-Heinz Rehkopf, Gabriele Rehkopf-Adt, Mitglied des Kuratoriums, Stiftungsvorstand Holger Eilers, Professor Gerd Litfin (hinten), Matthias Kaluza von ö_konzept, Ausstellungsleiter Sascha Fillies und Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel (von links) an einem alten und einem neuen E-Fahrzeug: einem Pierre Fauré von 1941 und einem aktuellen Tesla - ab Sonntag zu sehen in der Sonderausstellung »Unter Strom«.

Einbeck. Man glaubt es kaum, aber neu ist die Idee nicht: Elektromobilität ist 130 Jahre alt. »Unter Strom«, die Ausstellung, die am morgigen Sonntag, 15. April, im PS.SPEICHER eröffnet wird, zeigt das sehr anschaulich. Das älteste Exponat ist die Rekonstruktion des Flocken-Phaeton, ein Elektrowagen aus dem Jahr 1888; jüngste Beispiele sind unter anderem ein i8 vom BMW von 2017, E-Fahrräder und ein Tesla. Dazwischen wird ein breites Spektrum von mehr als 30 Fahrzeugen gezeigt: Laster und Personenwagen sowie Motorräder.

In der Tat sei diese lange Geschichte der Elektromobilität verblüffend, stellte der Geschäftsführer des PS.SPEICHERs, Lothar Meyer-Mertel, fest. Aber letztlich sei die Entwicklung stecken geblieben: Immer wieder sei zu hören, dass der heutige Stand der Entwicklung dem von 1910 entspreche, und Probleme wie Reichweite, Geschwindigkeit und Versorgungsinfrastruktur seien noch nicht gelöst.

Das wolle man aber nicht bewerten, sondern die Ausstellung stelle die Geschichte dar - in einer sehr gelungenen Schau. »Das ist zugleich der erste Versuch, die Historie nachzuzeichnen - alle Entwicklungsstufen sind abgebildet.« Für die Ausstellung sei erneut die »kluge Hand von ö_konzept aus Zwickau« verantwortlich.

Die Kulturstiftung Kornhaus verfüge selbst über eine große Sammlung von Elektrofahrzeugen, aber da man die Entwicklungslinie zeigen wollte, freue man sich über zahlreiche Leihgaben und weitere Unterstützung, auch einige Zustiftungen.

»Das wird ein tolles Bild«, war Meyer-Mertel sicher. Mehr als ein Jahr lang habe die Vorbereitung gedauert. 33 Fahrzeuge stehen auf 1.500 Quadratmetern, und erstmals werden in der PS.Halle sowohl Erdgeschoss als auch Galerie gleichzeitig für eine Ausstellung genutzt. Aus fast jedem Jahrzehnt seien Fahrzeuge vorhanden, berichtete Ausstellungsleiter Sascha Fillies, beginnend mit dem Elektrowagen der Maschinenfabrik Flocken, Coburg, von 1888.

Der sei nur drei Jahre, nachdem Daimler seinen Reitwagen vorgestellt habe, gebaut worden. Elektromobilität trat danach einen regelrechten Siegeszug an: Der Anteil der Fahrzeuge in den USA betrug 1900 schon 30 Prozent. Welche Bestrebungen es immer wieder gegeben habe, zeige die Ausstellung: »Wir gehen auch auf Nischen ein«, so Fillies. Mit dabei sei alles, was auf dem Markt verfügbar sei: altes Blech ebenso wie aktuelle Fahrzeuge.

Einige Fahrzeuge sollten während die Ausstellungszeit, die voraussichtlich bis zum Jahresende dauert, ausgewechselt werden. In der PS.Halle gibt es eine Fläche für eine Vortragsreihe zum Thema, die derzeit vorbereitet wird. Dabei spielen auch kritische Fragen eine Rolle, etwa nach Seltenen Erden oder zur mangelnden Infrastruktur. E-Mobilität erfordere viele Kreativität, stellte Matthias Kaluza von ö_konzept fest.

Es gebe zahlreiche Konzepte, aber der normale Bürger scheitere häufig an Überinformation. Zurzeit verfüge der Markt etwa über 30 reine E-Fahrzeuge. Gewöhnungsbedürftig sei, dass es keinen Motorsound gebe, kein Glücksgefühl, das Fahrzeug zu zähmen. Zur Orientierung gibt es in der Ausstellung »rote« und »blaue« Bereiche: für rasantes Tempo und für solide Technik. Gemeinsam ist beiden: Alle brauchen Kabel und Stecker.

Die PS.Halle zeige eine Transparenz, so Kaluza, die den Blick vom Aktuellen in die Geschichte ermögliche, eine Verbindung von Alt und Neu; die Galerie folge einem chronologischen Faden. Die Ausstellung »Unter Strom« ist ab Sonntagmittag geöffnet. Sie ist voraussichtlich bis Ende des Jahres zu sehen.ek

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