Glanz für Stolpersteine

Schüler der Integreierten Gesamtschule greifen zu Putzmittel

Mit Putzstein, Schwamm und Wasser wurden die Stolpersteine gereinigt. Anschließend holten die Schüler noch das Poliertuch heraus.

Einbeck. Insgesamt 29 Stolpersteine hat der deutsche Künstler Gunter Demnig 2016 und 2017 in Einbeck verlegt - dank des Initiativkreises »Stolpersteine für Einbeck« des Fördervereins »Alte Synagoge«. Erinnert wird damit an Opfer des Nationalsozialismus.

Eingelassen in die Gehwege sind die Steine mittlerweile verblasst - Schüler der Integrierten Gesamtschule Einbeck haben ihnen jetzt zu neuem Glanz verholfen: Mit Putzstein, Wasser und Schwamm sowie Poliertuch rückten sie den Messingtafeln zu Leibe und machten sie wieder sichtbar.

Die mit einer gravierten Messingtafel versehenen Betonsteine wurden im Februar 2016 beziehungsweise im Mai 2017 an zehn verschiedenen Stellen im Stadtgebiet verlegt, die Steine sollen die Namen der Opfer des Nationalsozialismus zurück bringen und an jedes einzelne Schicksal erinnern. Die Finanzierung der Stolpersteine inklusive der Verlegung wurde ausschließlich durch private Spenden ermöglicht.

Der Initiativkreis ist zuversichtlich, auch die noch zu verlegenden 35 bis 40 Steine finanzieren zu können. Bisher bekannt sind 68 jüdische Opfer, über weitere Opfergruppen wird recherchiert. Mit den Steinen vor den Häusern bleibt die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Vor dem Haus Marktstraße 11 wird beispielsweise erinnert an Theodor, Martha und Alfred Kayser sowie an Artur und Walter Goldschmidt.

Deren Schicksale wurden ebenso wie die der anderen jüdischen Mitbürger den Schülern durch Inge Hüttig von Initiativkreis »Stolpersteine« ins Bewusstsein gehoben, bevor die 15 Schüler jeweils mit der Reinigungsaktion starteten. Wie Zoe, Jule und Lea-Sophie berichteten, hatten sie sich im Wahlpflichtkurs bereits 2016 mit jüdischem Leben in Einbeck auseinandergesetzt, das wurde nun in der achten Jahrgangsstufe vertieft.

Und dabei wurde die Idee geboren, die Steine zu reinigen. Die Schicksale, unterstreichen die drei Schüler stellvertretend für die anderen, hätten sie sehr berührt, und sie wollen sich dafür einsetzen, dass diese Menschen nicht vergessen werden. Das Thema interessiert sie, auch mit der jüdischen Gemeinde haben sie sich schon in Verbindung gesetzt. Die Synagoge und den jüdischen Friedhof werden sie sich im Rahmen der Projektwoche Anfang Februar ansehen, beim Kennlerntag wollen sie jüdische Speisen anbieten.

Auch Interviews sind angedacht, denn bei ihrer Reinigungsaktion mussten die Schüler feststellen, dass die Stolpersteine nicht bei vielen bekannt sind. Die Schüler wollen ideell eine Patenschaft für die Stolpersteine übernehmen und sie regelmäßig reinigen. Und sie sind sich sicher, dass sie auch das nötige Geld zusammenbekommen, damit sie einen weiteren Stolperstein finanzieren können. Schulleiterin Sandra Friedrich freut sich über das Engagement der Schüler für dieses nachhaltige Projekt, das von Jahrgang zu Jahrgang weitergegeben werden soll.sts

»Eher Musterschüler als hoffnungslose Fälle«

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