Wenn die Argumente ausgehen ...

... und Alkohol ins Spiel kommt: Zum Eulenfest-Start Polizei zu Schlägereien gerufen

»Jubel, Trubel, Eulenfest«, von diesem traditionellen Feier-Motto blieb zum Eulenfest-Auftakt für die Beamten des Polizeikommissariats Einbeck vor allem der Trubel. Der Jubel war den vielen tausend Besuchern vorbehalten, die das Fest sehr genossen haben. Aber sowohl in der Polizeiwache als auch auf der Fest-Meile war in der ersten Eulenfest-Nacht eine Menge los. Die Einbecker Morgenpost hat die Nachtschicht ein paar Stunden begleitet.

Einbeck. Ein kalter, aber trockener Abend nach einem schönen Tag, das bedeutet, dass viele Menschen unterwegs sein werden. Da ist die Aufmerksamkeit der Fußstreifen gefragt. Nicht alle Festbesucher wissen, wieviel Alkohol sie vertragen, und so kommt es kurz nach 22 Uhr zum ersten größeren Einsatz des Abends: »Prügelei auf dem Marktplatz« melden gleich mehrere Anrufer per Telefon. Vor Ort ist es gerappelt voll, die Lage unübersichtlich, einige Beamte von der Streife sind schon dort. Eine unbeteiligte Besucherin ist von einer durch die Luft fliegende Flasche am Kopf getroffen worden. Sie muss ins Krankenhaus gebracht und dort genäht werden. Die Frage, wer geworfen hat, lässt sich erst einmal nicht klären, es gibt aber ein weiteres Opfer mit einer Platzwunde am Kopf: Ein junger Mann ist von einem Glas getroffen worden, möglicherweise nach vorhergehender Rempelei und einigen bösen Worten. Er wird verpflastert und muss mit seinen Begleitern zur Wache. Dort »pusten« alle, teilweise haben sie mehr als ein Promille intus. Die Beamten nehmen die Personalien auf, und sie machen deutlich: »Für euch ist für heute Feierabend«, ansonsten könnten sie den Eulenfest-Besuch am Sonnabend auch gleich vergessen.

Der nächste Verletzte wird vom Alten Rathaus gemeldet. Hier haben die DRK-Sanitäter einem jungen Mann bereits den Kopf bandagiert, auch er ist nach eigenen Angaben mit einem Bierglas geschlagen worden. Er fährt mit ins Krankenhaus, seine Freunde können den Beamten zusammen mit Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes eine Personenbeschreibung des möglichen Täters geben. Noch während die Personalien der Zeugen festgehalten werden, bittet das DRK um Unterstützung: Am Sanitätsstand vor dem Alten Rathaus sitzt eine »hiloPe«, eine hilflose Person, auf dem Klappstuhl. Dort hat sich der soeben noch taumelige junge Mann allerdings vor die eigenen Füße erleichtert, und prompt scheint es ihm besser zu gehen. Immerhin ist der Besucher von außerhalb nun soweit fit, dass er mit dem Handy seinen Kumpel anrufen kann, bei dem er die Nacht verbringen will - unsicher, aber zielstrebig schwankt er von dannen. Ein anderer schwer alkoholisierter Mann ist am Teichenweg von seinen Zechkumpanen im Stich gelassen worden. Die Streife rückt nach einem Anruf aus und sorgt für sichere Heimkehr.

Kurz darauf wird der mögliche Schläger vom Alten Rathaus im dichten Getümmel tatsächlich entdeckt, allerdings im Zusammenhang mit einer anderen Rauferei, diesmal am Möncheplatz. Er schildert den Tathergang komplett anders als das Opfer; dazu benennt er etliche weitere Zeugen, der Pulk muss aber vor der Wache warten. Was sich genau ereignet hat, wird sich erst im Rahmen der Zeugenbefragungen ergeben, die die Polizei in den nächsten Tagen vornimmt.

Mehrfach werden Rangeleien gemeldet, und während die Polizei in einem Fall noch schlichtend eingreift, kommt es ein paar Meter weiter zur nächsten Schlägerei. Bei den Streifen haben die Beamten außerdem gerade auf dem Möncheplatz, der besonders Jugendliche anzieht, ein Auge auf diejenigen, die dort mit Flaschen in der Hand stehen. »Ooch nee, nicht schon wieder« - die junge Frau, deren Ausweis kontrolliert wird, ist Mitte 20, sieht aber zehn Jahre jünger aus.

Jetzt ist sie genervt, später wird sie sich darüber vermutlich mal freuen. Der nächste »Kandidat« sieht seinen Fehler gleich ein: Der Inhalt der Mega-Dose Bier verschwindet im Rinnstein, mahnende Wort gibt’s ebenfalls. Die volltrunkenen Zwölf- oder 13-jährigen, die aufmerksame Zeugen auf der Wache melden, werden von den rasch ausrückenden Beamten nicht mehr angetroffen - hoffentlich haben sie Hilfe bekommen.

Ein besonders schwerer Fall von Körperverletzung weit nach Mittagnacht im Hören, sowohl ein Passant als auch ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes machen Meldung im Revier: Jemand sei geschlagen worden, gegen ein Metalltor getaumelt, das sich öffnete, und rückwärts mit dem Kopf auf den Asphalt geknallt. Die Rettungskräfte haben hier alle Hände voll zu tun, denn es gibt noch ein weiteres, weniger schwer verletztes Opfer. Der Täter ist geflohen. Mit den Zeugen geht es zur weiteren Bearbeitung des Falls in die Schreibstube. Für den Verletzten endet das Eulenfest leider im Rettungswagen Richtung Göttingen.

Da die Schlagzahl der Einsätze sich zwischenzeitlich erhöht hat und mit fortgeschrittener Stunde der Alkoholpegel bei den Besuchern steigt, die Reizschwelle aber sinkt, ist Verstärkung angefordert: Aus Göttingen kommen zwei Hundeführer, außerdem sind Kollegen aus Northeim da, und Gandersheimer könnten bei Bedarf ebenfalls noch ausrücken.

Auf den Bühnen geht verabredungsgemäß um Mitternacht das Licht aus, die Stände und Fahrgeschäfte schließen ab 1 Uhr oder etwas später. »Jetzt wird’s hoffentlich ruhiger«, heißt es gegen 3 Uhr. Noch immer sind viele Besucher unterwegs, es ist mitunter laut - aber kein Grund zum Eingreifen. Nun haben die Beamten erstmals Gelegenheit, das, was vorhin im Schein der Taschenlampe vor Ort in die Merkbücher geschrieben wurde, zu übertragen. Zwischendurch war keine Zeit dazu, mancher kalt gewordene Kaffee wurde weggeschüttet, und wohl dem, der sich vor der Schicht ordentlich gestärkt hatte. Bis zum Morgen ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt - wenn die anderen feiern. ek

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