Eine 28-jährige Erfolgsära endet

Verabschiedung von Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg

Viel Lob gab es für den scheidenden Polizeichef Hans Walter Rusteberg (rechts) vom Ersten Kreisrat Jörg Richert (Mitte), der auch Nachfolger Michael Weiner (links) begrüßte.

Northeim. Die Polizeiinspektion Northeim ohne Hans Walter Rusteberg könne er sich kaum vorstellen, sagte Northeims Bürgermeister Simon Hartmann bei dessen Verabschiedung in Northeim. Nach 43 Jahren bei der Polizei und 28 Jahren als Polizeichef wechsele der 61-Jährige in den Ruhestand, erklärte Polizeipräsident Uwe Lührig. Rusteberg »lenkt und leitet jetzt sein Privatleben.«

Der Northeimer Polizeidirektor freute sich, dass zu seiner Verabschiedung so viele Personen gekommen waren, darunter zahlreiche langjährige Weggefährten. 1977 begann seine Polizeikarriere an der Polizeischule in Hann.-Münden. Danach ging es zur Bereitschaftspolizei, dann in den Einzeldienst im Innenstadtbereich von Braunschweig. Über Hohegeiß und Autobahnpolizei Göttingen ging es ins Polizeirevier Oberharz in Clausthal-Zellerfeld.

1992 wurde die Stelle des Abschnittsleiters in Northeim ausgeschrieben, darauf bewarb Rusteberg sich erfolgreich, um in die Nähe seiner Heimat zu kommen. Nach wenigen Tagen im Amt passierte das dramatische Zugunglück in Northeim. Tragisch waren auch die Morde in Bodenfelde. Demonstrationen gab es von Gen-technik-Gegnern und Rechten, aber auch den Castro-Transport durch die Region.

In 28 Jahren vor Ort habe sich viel ereignet, es gab strukturelle Herausforderungen, stetigen technischen Fortschritt oder bauliche Veränderungen. Miteinander wurde das angegangen, viel zusammen erreicht. Der Landkreis sei einer der sichersten in ganz Niedersachsen.

Northeims Bürgermeister Simon Hartmann sagte, dass die Feier passend im Ambiente der »Alten Wache« in Northeim stattfinde. Unter anderem war sie in der Vergangenheit Garnisonswache oder Dienstlokal der Polizei.

Seitdem Rusteberg 1992 nach Northeim wechselte, prägte er das Geschehen vor Ort. Mit gerade 37 Jahre wurde er Polizeichef, für ihn war seine Arbeit Berufung. Als Jugendlicher wollte Rusteberg Chemiker werden – gut, dass es dazu nicht kam, so Hartmann. Stets habe er sich für die öffentlichen Belange eingesetzt und ein offenes Ohr für die Bürger gehabt. Er kümmerte sich um die Menschen, vor allem um die in Notsituationen. Kontakte zu Netzwerkpartnern baute er auf, er »machte die Polizeiinspektion Northeim zu einem Aushängeschild«, lobte Hartmann.

Nach 43 Jahre wechsele Rusteberg jetzt in den wohlverdienten Ruhestand, so Uwe Lührig. 28 Jahre leitende Funktion am selben Standort zu haben, das sei selten. 1977, während der Terrorzeit der RAF, fing Rusteberg bei der Polizei an. Zuerst wollte er zur Kriminalpolizei, wurde aber doch Schutzmann. Mit gerade 30 Jahren erreichte er den Höheren Dienst, mit 37 Jahren hatte er eine leitende Funktion inne. In den vergangenen 28 Jahren habe sich viel gewandelt, zum Beispiel gehöre nach der Landkreisfusion mit Göttingen Osterode nicht mehr zur Polizeiinspektion Northeim. Vom Aufbau eines großen Netzwerks profitierten die Polizei und die 133.000 Bürger vor Ort.

Wichtig sei ihm der Kontakt zu Bürgern gewesen. So habe er die PI zu Tagen der offenen Tür geöffnet. Am Tag der Niedersachsen oder anderen Veranstaltungen beteiligte sich die Polizei. Kurz vor Dienstende schob er die Ausstellung »Im Visier – der Mensch hinter der Uniform« an, die in der Kreissparkasse Northeim zu sehen ist.

Die Bevölkerung im Landkreis Northeim lebe sicher, betonte Lührig. Die Anzahl der Straftaten sank, die Aufklärungsquote befinde sich auf hohem Niveau, die Unfallstatistik weise hervorragenden Zahlen auf – ein Verdienst von Rusteberg und seinen Mitstreitern. Ob Zugunglück, Tag der Niedersachsen, Gewaltverbrechen in Bodenfelde oder salafistische Festnahmen – immer wieder habe sich bewiesen, dass die Polizei gut aufgestellt sei. Bei der rechten Szene wechselten die Akteure, sie sei aber weiter aktiv. Alle müssen sich anstrengen, ihr Einhalt zu bieten.

Beschrieben wurde Rusteberg von Kollegen als »schlauer Fuchs und Stratege«, das treffe zu. Er handelte vorausschauend, gab nie auf, verfolgte Aufgaben gewissenhaft, leitete die PI gut. Er war ein Organisationstalent, loyal und lernfreudig, hatte aber kein Vertrauen in die mediale Welt: Termine hielt er im Papierkalender fest.

Sein Engagement setzte sich ehrenamtlich fort. Soziale Projekte unterstützte er, liebt es, mit seiner Frau Motorradtouren zu unternehmen. Für die erfolgreiche Arbeit dankte Lührig, und er wünschte Rusteberg viel Spaß, jetzt sein Privatleben zu lenken und zu leiten. Der Präsident überreichte noch einmal das europäische Leistungsabzeichen in Gold sowie einen »Dienstpensionsausweis« für Besuche in der Polizeidirektion Göttingen, und schmunzelnd übergab Lührig an Frau Rusteberg »einen neuen Mitarbeiter für die heimische Dienststelle«.

Fast drei Jahrzehnte Polizeichef in Northeim, das hinterlasse große Spuren, so Erster Kreisrat Jörg Richert. Ein prägendes Ereignis war 1992 das Zugunglück, eine harte Probe für alle Einsatzkräfte. Mit den Jahren baute Rusteberg ein Netzwerk auf und wirkte an zahlreichen Stellen mit. Wichtig war ihm der direkte Kontakt zu Bürgern, Institutionen oder Verwaltung.

Die PI sei gut aufgestellt, von der exzellenten Polizei vor Ort profitierten alle. Fachliche Kompetenz, einnehmendes Wesen sowie die ausgeglichene und empathische Art lobte Richert. Er wünschte Rusteberg für die Zukunft alles Gute.

Kreisbrandmeister Marko de Klein hob die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte hervor. Zahlreiche Einsätze wurden gemeinsam bestritten. Zahlreiche Modifikationen gab es in den vergangenen Jahren, Rusteberg ging sie mit Elan an.

In 28 Jahren leitender Funktion hatte der Polizeichef immer die Mitmenschen und seine Mitarbeiter im Blick, lobte Niklas Fuchs, Polizeirat bei der PI Northeim. Man sollte nicht nur die Polizisten in Uniform sehen, sondern auch die Menschen dahinter. Er sorgte sich um seine Mitstreiter. Der Name Rusteberg stehe für erfolgreiche Arbeit der Polizei in der Region. Wichtig waren ihm die Präventionsarbeit, aber auch gutes Arbeitsklima und starke Gemeinschaft. Selbst bei stressigen Situationen schaffte er, »das Schiff mit vollen Segeln in die richtige Richtung zu steuern«, lobte Fuchs.

Vom Personalrat sagte Armin Bock, dass Rusteberg etwas Großes mit »seiner Mannschaft« geleistet habe. Er ging auf die Belange der Belegschaft ein. Für das Miteinander in den vielen Jahren bedankte sich Bock, und wünschte ebenso privaten Erfolg.

Zum Abschluss bedankte sich Rusteberg für die vielen Glückwünsche. An seinen Nachfolger Michael Weiner übergebe er eine gut aufgestellte Polizeiinspektion, und er freue sich darauf, viel Zeit mit Familie, Sport und Hobbys zu verbringen.mru

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