Für Händel-Konzert: Malerei trifft auf Musik

Kunst-Experiment mit Studenten aus Hannover und KWS-Mitarbeitern

In der Mitte das Musikensemble »4 Times Baroque«, drum herum die Künstler an oder auf den Leinwänden: ein Kunst-Experiment der besonderen Art.

Bad Grund. Vier riesengroße Leinwände auf dem Boden, Pinsel, Joghurtbecher mit Farbe und barfüßige Akteure: In der vergangenen Woche verwandelte sich das Atrium in Bad Grund zu einem Künstleratelier der besonderen Art.

Insgesamt 26 Maler–Studierende der Hochschule Hannover des Studiengangs Experimentelle Gestaltung und KWS-Mitarbeiter sowie vier Musiker des Musikensembles »4 Times Baroque« der Internationalen Händel Festspiele – wagten fünf Tage lang ein gemeinsames und ungewöhnliches Kunst-Experiment. Die Idee sei der gemeinsame Erlebnisraum gewesen, erklärt Professor Dorothee Weinlich von der Hochschule Hannover. Denn während das Barock-Ensemble seine Stücke in der Mitte des Atriums spielte, machten sich die Studierenden und die KWS-Mitarbeiter daran, ihre Kreativität auf die vier Leinwände, die jeweils zehn Meter mal 1,6 Meter groß waren, zu bringen. Gemälde zu barocker Live-Musik entstehen zu lassen und dabei die Lust am Ausprobieren zu fördern, stand dabei im Vordergrund.

Bereits seit drei Jahren findet dieser Workshop in Kooperation der Hochschule und der KWS in Bad Grund statt, so Weinlich, doch in diesem Jahr sei die musikalische Komponente durch die Internationalen Händel Festspiele und deren Intendanten Tobias Wolf dazu gekommen. »Es war das totale Experiment, aber das Konzept ist aufgegangen. Verschiedene Bereiche der Kunst trafen hier aufeinander, und die Live-Musik dazu hat den Raum komplett verzaubert«, schwärmt Weinlich.

Malerin Astrid Eggert beschreibt das Projekt als einen Prozess der Wahrnehmung. Im Atrium könne man sich auf das Wesentliche konzentrieren, ohne das Große und Ganze zu verändern, denn mit der Musik im Hintergrund könne das eigene »innere Orchester« einmal wunderbar schweigen, so Eggert.
Julia Lormis, Praktikantin bei der KWS, beschreibt die Stimmung im Atrium als einen wohltuenden Zauber: »Als die Musik einsetzte, waren keine Gedanken mehr wichtig, nur noch das Emotionale.« Mal sei man fröhlich, mal traurig berührt gewesen, die eigene Mitte sei spürbar geworden. Dazu sei natürlich noch das Atrium als besonderer Ort gekommen, ergänzt Weinlich.

»Die weißen Leinwände, der Schnee, den man durch die Fenster sehen kann, und die strahlende Sonne … es entsteht eine wohltuende Stille in einem selbst.« Und gerade so ein Kunst-Experiment werde natürlich von dem Veranstaltungsort erst mit Leben erfüllt, so etwas ginge nicht in einer Turnhalle.

Begleitend zum Workshop hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Umgebung Bad Grunds kennenzulernen, sie konnten etwa den WeltWald mit sogenannten Achtsamkeitsübungen zu erkunden. Intendant Tobias Wolf erzählt, dass auch er es sich nicht hat nehmen lassen, sich selbst einmal beim Malen auszuprobieren. »Es war schön zu sehen, dass sich die Gruppe von Anfang an gut zusammengefunden hat.« Bemerkenswert sei die Stille gewesen, berichtet die Organisatorin und Leiterin der KWS-Tagungsstätte »Zuckerhaus« in Bad Grund, Petra Wollenweber: »Die Musik hat die Künstler geerdet und für eine besondere Atmosphäre gesorgt.«

Eine weitere Herausforderung ist jetzt die Präsentation der großformatigen Werke. Die Kunstwerke sollen im Rahmen des Konzerts mit dem Ensemble »4 Times Baroque« am Sonnabend, 19. Mai, ab 19.30 Uhr in der Münsterkirche St. Alexandri in Einbeck präsentiert werden.hn