123 positive Corona-Tests im Glaubenszentrum

Schulbetrieb im September wieder angelaufen | »Sehr strenges Hygienekonzept eingehalten«

Bad Gandersheim. Zentrum des Covid-19-Ausbruchs im Landkreis ist in dieser Woche das Glaubenszentrum in Bad Gandersheim. Hier gab es nach zwei Positiv-Tests auf Corona den ersten Massentest im Kreis: 265 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt (»EM« berichtete). Bis Mittwochabend lagen bei 252 getesteten Personen 53 positive Testergebnisse vor, 93 waren noch offen. Am Donnerstag kamen weitere 70 hinzu. Dadurch ist der Inzidenz-Wert im Landkreis Northeim zunächst auf 52,7 und jetzt auf über 100 gestiegen; es seien noch nicht alle ausgewertet, sagte eine Landkreis-Sprecherin gestern bei Redaktionsschluss. Der Landkreis Northeim wurde somit zum Risikogebiet. Bei den Infizierten soll es sich um Mitarbeiter, Gäste und »Personen, die auf dem Gelände agieren« handeln. Alle Infizierten sollen sich in Quarantäne befinden.

Das Glaubenszentrum ist in der Region kaum bekannt. Der Gebäudekomplex in der Kurstadt, auf dem Osterberg, wurde in den 1930er Jahren als NS-Motorschule gegründet. Lange war es danach eine Zollschule, bevor 1987 die im Jahr 1975 in Wolfenbüttel gegründete Bibelschule einzog mit dem Angebot, »die Bibel zu studieren, Gott zu feiern, christliche Gemeinschaft zu leben, mit Gebet die Welt zu verändern und im Glauben zu wachsen«, wie es auf der Internetseite der Einrichtung heißt.

Das Glaubenszentrum ist ein konfessionsübergreifendes Glaubenswerk für Christen verschiedener gemeindlicher Ausrichtungen, in erster Linie eine Bibelschule, aber auch Gebets- und Konferenzzentrum sowie Missionsbasis für internationale Hilfsprojekte. Junge und Alte, Singles, Verheiratete und Familien mit Kindern kommen für eine gewisse Zeit hierher, um Gott zu erleben, ihren Glauben zu stärken, die Bibel zu studieren und ihr Leben neu auszurichten. Das Zentrum ist ein »Ort der Zurüstung, des Trainings und der Glaubensstärkung«. Das geschieht in der Bibelschule und durch Groß- und Kleinveranstaltungen, Konferenzen, Seminare und Livestreamübertragung. Der genehmigte Schulbetrieb im Glaubenszentrum soll am 19. September mit einer mehrwöchigen Quarantäne begonnen haben, »um zu verhindern, dass Teilnehmer, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen, das Virus einschleppen«, schreibt das Glaubenszentrum.
Am Wochenende ist bekannt geworden, dass im Umfeld der Bibelschule durch einen Außenkontakt eine positive PCR-Testung aufgetreten ist. Die betroffene Person lebt allerdings nicht auf dem Gelände der Bibelschule. Während die Männerkonferenz Ende Oktober abgesagt ist, stehen das Jugendleitercard-Seminar am
2. November und ein Erweckungsgottesdienst am 14. November noch auf dem Plan.

Am Donnerstag hat das Glaubenszentrum eine Stellungnahme abgegeben; es sei ihm ein Anliegen, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Das strenge Hygienekonzept im Glaubenszentrum sei nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs genauestens eingehalten worden, heißt es darin. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten waren die voneinander zu trennenden Einheiten noch erheblich kleiner (Richtwert zehn Personen), als es an allgemeinbildenden Schulen möglich sei.

Auf die Einhaltung des Hygienekonzepts sei sehr genau geachtet worden. Trotz dieses selbst auferlegten, sehr strengen Vorgehens mit erheblichen Einschränkungen sei es »jetzt zu diesen Fallzahlen gekommen, die – wie man den Medien entnehmen kann – der aktuellen Situation in weiten Teilen der Bundesrepublik entspricht«, so die weitere Stellungnahme. »Die Auswirkungen bedauern wir sehr, besonders auch für den Landkreis und die Stadt Bad Gandersheim, die vielen Mitarbeiter in den Ämtern, die jetzt zu der ohnehin schon drückenden Arbeitslast in dieser Zeit erhebliche Mehrarbeit leisten müssen.« Man bedanke sich ausdrücklich für die freundliche und effiziente Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden.sts/ek/oh

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