Seltene Käferarten nachgewiesen

Foto: Städtler

Uslar. Das Eichholz in unmittelbarer Nähe von Uslar ist ein kleines Wäldchen im Süden der Stadt und beherbergt alte und uralte Laubbäume. Besonders markant sind viele dicke Buchen, die älter als 200 Jahre alt sind. Das Alter der meisten Eichen liegt zwischen 200 und über 600 Jahren. Der Holzeinschlag wurde weitestgehend schon vor längerer Zeit eingestellt, es sei denn, dass einzelne Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, die dann aber im Wald liegen bleiben. So konnte sich im Laufe der Jahre ein seltenes Artenspektrum halten, das auf alte und uralte Bäume angewiesen ist um dauerhaft zu überleben.

Aufgrund der großen Masse von starkem Totholz konnte besonders die Käfer-Fauna davon profitieren, die auf Holz angewiesen ist. Zu den seltenen und europaweit geschützten Arten gehört beispielsweise der »Eremit« (Osmoderma eremita). Wie der Name schon sagt, führt der Käfer ein Leben im Verborgenen. Im Mulm großer Baum-Höhlen von alten und uralten Eichen oder Buchen findet der Käfer seinen idealen Lebensraum. Auch Linden, Weiden und Obstbäume werden gerne aufgesucht. Typisch ist für den »Eremiten«, dass er viele Jahre und Jahrzehnte die gleiche Höhle benutzt. Die Entwicklung vom Ei bis zum ausgewachsenem Käfer dauert bis zu vier Jahre. Für die Ernährung der Larven muss immer genug Mulm vorhanden sein. Da seine Ausbreitungsmöglichkeiten oft nicht weiter als 100 Meter entfernt auseinander liegen dürfen, ist sein Aktionsradius zur Fortpflanzung begrenzt.

Noch seltener als der Eremit kommt der »Veränderliche Edelscharrkäfer« (Gnorimus variabilis) in Deutschland vor. Während der Eremit einheitlich schwarz gefärbt ist, findet man auf den Flügeldecken des Gnorimus weiß-gelbliche Punkte. Beide Käfer benötigen großvolumige Laubbäume mit großen Höhlen. Mit etwas Glück können einem zwischen Juni und Juli die Käfer an Baumsäften oder auch mal bei einem Blütenbesuch begegnen. Innerhalb von einer Woche konnte Henning Städtler (Waldökologe) im Eichholz beide Käfer nachweisen. Zur Sicherheit wurden bei der Bestimmung die Diplombiologen Dr. Reiner Theunert und der Käferexperte Ludger Schmidt hinzugezogen. Beide waren überrascht und erfreut über die seltenen Lebend-Funde.

Da Niedersachsen bisher keine Rote Liste für diese Käfer aufgestellt hat, muss man zu den Nachbarländern schauen. In Thüringen sind beide Käfer vom Aussterben bedroht. Deutschlandweit ist der Eremit stark gefährdet und der Edelscharrkäfer vom Aussterben bedroht. Damit gehört das Eichholz gegebenenfalls zu den kleinsten Wald-Kleinodien für diese beiden Käferarten. Somit muss der ganz klare Auftrag an den Waldbesitzer lauten, sehr sorgsam und mit viel Rücksicht diese kleine Waldfläche als Lebensraum für hoch bedrohte Arten zu erhalten.oh

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