Sprachkompetenz von Migranten verbessern: Northeimer Kreistag streitet

Vor allem das »Geschwätz« war Anlass für die Kreistagsvorsitzende Frauke Heiligenstadt (Mitte), Kestner zur Ordnung zu rufen: Das seien keine üblichen Vokabeln, und er möge sie hier nicht verwenden.

Northeim. Um Fachkräftemangel im Landkreis Northeim zu begegnen, will sich der Kreistag mit der Verbesserung der Sprachkompetenz von Migranten beschäftigen. Diesen SPD-Antrag hat der Northeimer Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Wie Christina Münder, SPD, dazu erläuterte, beurteilten laut aktuellem Deutschland-Trend 69 Prozent der Bürger die Integration von Mi­granten als »schlecht« oder »sehr schlecht«. Das gebe Anlass zur Sorge. Probleme würden vor allem bei der Integration in den Arbeitsmarkt ge­sehen.

Bleibeberechtigte seien angesichts des Fachkräftemangels eine Ressource für den Arbeitsmarkt – entsprechend sollte man die Bemühungen, ihre Sprachkompetenzen zu verbessern, nachhaltig intensivieren.

In jedem Beruf sei Kommunikation notwendig, mindestens auf dem B1-Standard. Manche Branchen benötigten darüber hinaus die Zuwanderung, etwa die Pflege. Die Politik dürfe sich da nicht in bunten Bildern erschöpfen, sondern müsse erfolgreiche Anstrengungen unternehmen. So könne man auch Ängste abbauen, die falschen Kräften in die Hände spielen würden. Neben dem Sozial- sollte auch der Wirtschaftsausschuss dieses Thema aufgreifen. Dieses Vorgehen hat der Kreistag letztlich einstimmig beschlossen.

Die Bereitschaft von Migranten, an Sprachkursen teilzunehmen, stellte Jens Kestner, AfD, in Frage. Wichtiger wären Programme für das eigene Volk, statt immer Fremde zu fördern.

An die Gauland-Aussage, die Flüchtlinge seien ein Geschenk für die AfD, erinnerte Christian Grascha, FDP. Mit dem Antrag könne man dafür sorgen, dass der AfD dieses Geschenk weggenommen würde und dass sie genau so verschwinde wie die Flüchtlingskrise. Viele Migranten seien dankbar für die Chance, Deutsch zu lernen, und durch Integration am Arbeitsplatz könne man das noch verstärken.

Die AfD gehöre inzwischen zum politischen Establishment, sie klebe an den von ihr kritisierten Pöstchen, stellte Marc Hainski, GfE, fest. Es sei für sie politisch opportun, gegen Ausländer zu sein – und es sei erstaunlich, dass Kestner wisse, dass alle Migranten unmotiviert seien.

Integration brauche Sprache, und der Landkreis brauche Fachkräfte, stellte Karoline Otte, Grüne, fest. Es sei nicht fair, Menschen in Not gegeneinander auszuspielen, aber etwas anderes habe sie auch von jemandem, der in Chemnitz vorn mitgelaufen sei, nicht erwartet.

Kestner solle seine Energie, die er im Kreistag rhetorisch an den Tag lege, nutzen, Sprache zu den Menschen zu bringen beziehungsweise sich für den Landkreis einzusetzen, so der Rat von Dr. Roy Kühne, CDU. Aus vielen Besuchen wisse er, dass Betriebe bereit seien, Migranten zu integrieren, das sei ein wichtiges Anliegen für die Region.

Im weiteren Verlauf der Debatte erlaubte sich der AfD-Mann wiederholt ungezogene Äußerungen. »Hören Sie mir zu, oder wollen Sie nur dumm quatschen?«, fuhr er Christian Grascha an, als der eine Zwischenfrage zum Umgang mit Flüchtlingen stellte; eigene Zwischenrufe hatte Kestner zuvor mit Verweis auf vermeintliche parlamentarische Tradition ausgiebig untergebracht. Wenn Grascha ihn nicht verstehe, solle er sich die Ohren sauber machen.

Leider gibt es unter den Kreistagsabgeordneten keinen Mediziner, der Kestner den nützlichen Hinweis hätte geben können, dass Ohren sich selbst reinigen.ek