Weiter ein sicherer Landkreis - und neue Aufgaben

Polizeiinspektion Northeim stellt Sicherheitsbericht 2022 vor | Verschiedene Schwerpunkte

Region. Kriminalitätslage, Aufklärungsquote, Unfallgeschehen: Der Landkreis Northeim beziehungsweise die Polizeiinspektion (PI) Northeim steht gut da. Das geht aus dem Sicherheitsbericht 2022 hervor, den die Leiterin der PI, Polizeidirektorin Maren Jäschke, die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD), Polizeirätin Vanessa Pleiß-Schütte, und der Leiter Einsatz, Polizeioberrat Marc-Dennis Pülm, jetzt vorgestellt haben. Aber es kommen auch neue Probleme auf die Polizei zu, denen sie sich stellen muss. Auch darauf ging die Polizeispitze ein.

Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr leicht von 6.479 auf 6.774 Fälle gestiegen, die Aufklärungsquote von 68,37 auf 66,30 Prozent gesunken. Zwar erreiche man damit nicht mehr die Traumquote von mehr als 70 Prozent im Jahr 2020, aber man sei noch gut dabei, betonte Maren Jäschke – die Werte lägen über dem Durchschnitt der Polizeidirektion und des Landes.

Bei den Delikten machten Vermögens- und Fälschungsdelikte und Rohheitsdelikte jeweils 20 Prozent aus. Einfacher Diebstahl kam auf 15, schwerer Diebstahl auf neun Prozent. 22 Prozent der Delikte wurden »sonstigen Straftatbeständen« zugeordnet. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung machten 3,41 Prozent aus, Straftaten gegen das Leben 0,09 Prozent. Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren das nur geringe Veränderungen, ausgenommen Internetkriminalität, die um 31,61 Prozent beim Warenkreditbetrug im Onlinehandel deutlich gestiegen ist. Im Netz könne man sich relativ leicht anonym bewegen, ohne sich zu identifizieren, das rege mögliche Täter natürlich an. Um ihrer habhaft zu werden, müsse die Polizei schnell sein, IP-Adressen seien sonst nicht mehr zu ermitteln. Bei der PI Northeim ist ein Team von drei Beamten mit Internetkriminalität befasst, bei Bedarf gibt es Unterstützung von IT-Spezialisten. Die Probleme in diesem Bereichen seien inzwischen in der Fläche angekommen, erläuterten Maren Jäschke und Vanessa Pleiß-Schütte; im Thema sei viel Dynamik, aber auch viel fruchtbarer Boden für Kriminelle.

Immer noch gibt es Opfer von Telefonbetrügern, Enkeltrick oder Schockanrufe: Hier sind vor allem ältere Menschen betroffen. Wie Marc-Dennis Pülm berichtete, zeige die intensive Aufklärungsarbeit inzwischen Wirkung, aber eben nicht immer. Zudem seien auch die Banken entsprechend sensibilisiert und würden Kunden ansprechen, wenn sie entsprechende Aktivitäten beobachteten. »Da ärgert mich jede einzelne Tat«, sagte die Polizeichefin, immerhin gehe es für manchen Senior auf diese Weise in die Altersarmut. Die Taten hätten sich mit 314 Fällen in etwa verdoppelt, dazu komme eine hohe Versuchsquote. Der Gesamtschaden sei auf rund 351.000 Euro zu beziffern. Was Prävention letztlich bewirke, sei nicht zu beziffern, da viele ein solches Verbrechen oder einen Versuch nicht anzeigen würden. Ärgerlich sei auch, wenn die Polizei in diesem Zusammenhang »benutzt« werde. »Wir rufen nicht unter der Nummer 110 an«, versicherten sie, und es finde schon gar keine Übergabe von Geld oder Wertsachen unter Fußmatten statt.

Daneben gebe es immer wieder Opfer, die auf den Zähler-Trick, den Trick mit dem Glas Wasser, den Wechseltrick oder windige Schmuckankäufer hereinfallen würden – das sei rundum bösartig.

Ein Plus von 24 Prozent wurde bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert; dabei lag aber die Aufklärungsquote mit 90 Prozent sehr hoch. Gerade die Zahl der Kinderpornografie-Fälle steige an, häufig aufgrund von Hinweisen aus dem Ausland, etwa den USA, führte die PI-Leiterin aus. Da sei akribische Ermittlungsarbeit notwendig, riesige Datenmengen seien zu sichten, und noch müsse das händisch geschehen. Künstliche Intelligenz reiche dafür – noch – nicht; man arbeite aber an diesem Komplex, habe deshalb also Doppelaufwand. 231 Straftaten wurden bearbeitet mit Bezug auf Verbreitung von kinder- und jugendpornorgrafischem Material und sexualisierter Gewalt, wobei man eine steigende Bereitschaft zur Anzeige feststelle. Für die Beamten seien das sehr belastende Themenfelder, hieß es, Ermittler würden nur auf freiwilliger Basis eingesetzt, unterstütz von Kollegen der Bereitschaftspolizei.
458 Fälle häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr, das war eine steigende Tendenz, wenngleich aufgrund einer veränderten Zählweise beziehungsweise Zuordnung kein direkter Vergleich möglich war. Bekämpfung häuslicher Gewalt nimmt einen höheren Stellenwert ein: Mit dem Landkreis hat im vergangenen November eine Fachtagung stattgefunden mit dem Ziel der Schulung und Sensibilisierung in allen Bereichen.

Die Unfallzahlen im Landkreis Northeim waren nahezu unverändert, 2.809 zu 2.818 im Jahr 2023, allerdings wurden deutlich mehr Fahrten unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen registriert. 76 Verkehrsteilnehmer, sechs mehr als 2021, wurden bei Unfällen schwer verletzt. Die Zahl der Verkehrstoten verringerte sich von zwölf auf fünf. 34 Fußgänger wurden verletzt, einer mehr als im Vorjahr. Und nur einmal spielte ein Pedelec eine Rolle, wobei in der Statistik alle elektrisch betriebenen Fahrräder gemeint sin. »Wir beobachten das aber«, kündigte Maren Jäschke an, denn bundesweit gebe es einen anderen Trend.
Erfreulich sei die gleichbleibend geringe Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Senioren am Unfallgeschehen; bei Kindern gab es einen Rückgang um 38 Prozent. Die jungen Heranwachsenden verursachten 505 Unfälle, 50 weniger als iom Jahr 2021.

Bei den Hauptunfallursachen nennt der Sicherheitsbericht Alkohol in 171 und Drogenkonsum in 216 Fällen. Auf Drogen könne inzwischen besser kontrolliert werden als früher, hieß es. 2.560 Mal war nicht angepasste Geschwindigkeit Schuld am Unfall, 1.243 Mal war der Fahrer durch ein Handy oder andere Elektronik im Auto abgelenkt. Das bleibe ein großes Thema. Wer sich an die Fahrschule und die Berechnung des Bremswegs erinnere, könne erkennen, welche Gefahr durch die Unaufmerksamkeit entstehe.

Eine Legalisierung von Cannabis sieht Polizeioberrat Pülm mit Blick auf Verkehrssicherheitslage »mit Sorge«. Alkohol sei kalkulierbar, auch in seiner Wirkung auf den Körper und den Abbau. Bei Drogen sei das nicht so, wobei das Fahrverbot ja bestehen bleibe; vielmehr gehe es um die Nachwirkungen. Nur ein kleines Thema im Landkreis sind Baumunfälle: 33 ereigneten sich im vergangenen Jahr. Zu den Unfallhäufungsstellen zählte in Einbeck im vergangenen Jahr die Berufsschulkreuzung.

Corona- und Friedensdemonstrationen, weiterhin Montagsspaziergänge in Northeim, auf die die Polizei ein Auge hat, die beiden Banküberfälle in Höckelheim und Sudheim, Betrugsverfahren mit Corona-Testzentren, bei denen in Einbeck und Northeim zwölf Objekte durchsucht worden, weil mehr abgerechnet als getestet wurde, bei einer Schadenssumme von 900.000 Euro, eine professionelle Indoor-Rauschgiftplantage in einem Einbecker Ortsteil mit mehr als 750 Pflanzen, einem Quartalsertrag von 20 Kilo und möglichen 800.000 Euro Jahresumsatz – anhand einiger Schlaglichter skizzierte die Polizeispitze die Einsatzlage im vergangenen Jahr.

Veränderte Zeiten, veränderte Einsatzmittel: Dazu zählt die Polizei Social Media. Instagram hat mehr als 7.000 Follower, Twitter, was auch bei Einsatzlagen genutzt wird, rund 3.535, Facebook mehr als 5.000. Auf diesen Kanälen sei auch der finale Hinweis zur Aufklärung der Banküberfälle gekommen, berichtete die Polizei.

Die Präventionsarbeit setzte den Schwerpunkt unter anderem auf Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr, etwa mit einem Kinotrailer.
Der Sicherheitsbericht 2022 steht öffentlich online zur Verfügung, er kann hier heruntergeladen werden.ek

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