»Wir brauchen Menschen mit Hand und Verstand«

Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau mit »Wort des Handwerks« beim Gildentag | Lob für das Ehrenamt

Das Handwerk im Mittelpunkt: Die Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck hatte zum traditionellen Gildentag eingeladen, er war diesmal wieder in der Stadthalle Northeim, und zahlreiche Gäste waren dabei.

Northeim. Premiere für Ulrich Schonlau, den neuen Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck: Erstmals richtete er im »Wort des Handwerks« als Nachfolger von Hermann-Josef Hupe das Wort an die Teilnehmer des Gildentags, mit einer aktuellen Situationsbeschreibung und einem Blick in die Zukunft.

Der gute Besuch der Veranstaltung zeige, dass Interesse am Handwerk und seiner Entwicklung bestehe und ihm die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung zukomme. Er sei, stellte sich Ulrich Schonlau vor, in Hardegsen zuhause und Mitinhaber eines kleinen Bauunternehmens, 50 Jahre alt, dreifacher Vater, zweifacher Großvater. Waldspaziergänge, Mountainbike fahren, gutes Essen und Kochen seien seine Hobbys, wobei das zeitaufwändigste das handwerkliche Ehrenamt sei.

Dabei liegen ihm drei Schwerpunkte am Herzen: der Stellenwert des Ehrenamts in der Gesellschaft, die handwerklichen Berufsstände in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen und die hohe Bedeutung des Handwerks für die Gesellschaft hervorzuheben sowie das Handwerk mit seiner wertvollen beruflichen Bildung bei den Eltern des künftigen Nachwuchses in das Bewusstsein zurückzurufen. Seine ehrenamtliche Karriere habe 2001 als Lehrlingswart in der Baugewerken-Innung begonnen, berichtete er.

Ab 2005 habe er sich für die Kammer und den Landesinnungsverband eingesetzt. Ab 2014 war er Obermeister, Lehrlingswart und Vorsitzer des Ausschusses für Berufsbildung. Als Kreishandwerksmeister freue er sich, dass er Kollegen gefunden habe, die auch ein Ehrenamt und somit Verantwortung übernehmen wollten. Ein Problem in der Handwerkerorganisation sei, dass oft viele Aufgaben auf zu wenigen Schultern ruhten, aber das gebe es in anderen Verbänden und in Vereinen ebenfalls.

Wer etwas dagegen tun wolle, dass der ländliche Raum an Attraktivität verliere, müsse selbst anpacken und mit Einsatzbereitschaft und Freude an der Gestaltung des Lebensraums mitwirken. Die Handwerksmeister rief er dazu auf, sich für das Handwerk und das Ehrenamt aktiv einzusetzen und damit auch dem Nachwuchs ein gutes Beispiel zu geben.

Sein Vorgänger habe ihm ein gut bestelltes Haus übergeben, die Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck sei kerngesund und leistungsstark. Er dankte Hermann-Josef Hupe für die 13-jährige Tätigkeit als Kreishandwerksmeister.

Wichtig sei ihm, so Ulrich Schonlau weiter, die öffentliche Wahrnehmung des Handwerks und der handwerklichen Berufe zu stärken. Aktuell gehe es immer wieder um Digitalisierung, aber er habe den Verdacht, dass die Gesellschaft über dem Wunsch, da mitzuschwimmen, vergesse, dass man Menschen mit Hand und Verstand benötige, um sämtliche Aufgaben im Alltag bewältigen zu können. Er trage, so der Kreishandwerksmeister, bei jeder Gelegenheit seine Kluft als Maurer, und er hoffe, damit zur Wahrnehmung des Handwerks beizutragen. An dieser großen Gemeinschaftsaufgabe müssten Verwaltung und Politik mittragen, »damit auch in 25 Jahren noch Handwerker ans Telefon gehen und sich um die Probleme der Kunden kümmern.«

Er wolle, so Schonlau weiter, eine Tradition begründen, um die Aufmerksamkeit auf das Handwerk zu legen und dazu jemanden im Namen des Handwerks ehren. Den Anfang mache ein gelernter Maurer, Oberstudienrat und Teamleiter an der BBS 2 in Northeim und ehrenamtliches Mitglied im Prüfungsausschuss der Baugewerkeninnung. Er habe ihm immer zur Seite gestanden beim Versuch, die Handwerksehre auf Schüler und Auszubildende zu übertragen. Das sei ihm unter anderem durch Gründung einer kleinen Kleiderkammer für Zunftkleidung für Lehrlinge gelungen, mit der Einführung des zünftigen »Handwerkerklatsch« zur Steigerung der Zusammengehörigkeit und durch handwerkliche Bildungsreisen der Lehrlinge nach Rumänien.

Oliver Hommrighausen gehöre zu denjenigen, die auf ihre handwerkliche Herkunft stolz seien. Er habe sich um das Ansehen des Handwerks ehrenamtlich und ohne Eigennutz verdient gemacht. Mit seiner Würdigung wolle er die positive Wirkung der ehrenamtlichen Unterstützer des Handwerks hervorheben, und er würde sich über viele freuen, die diesem Beispiel folgten. So hoffe er auf weiterhin gute Zusammenarbeit, verbunden mit der Bitte, »noch ‘ne Schippe drauf« zu legen oder jetzt mit dem Ehrenamt anzufangen, denn einer allein könne nicht viel bewirken.ek

Region

Mit Emotionen begeistern