Fußball

Schiedsrichtermangel betrifft alle Vereine

Anzahl nimmt im Kreis Northeim-Einbeck seit Jahren kontinuierlich ab

Der Schiedsrichtermangel im Fußballkreis Northeim-Einbeck liegt zum einen daran, dass es immer weniger Anwärter gibt. 2010 waren es zum Beispiel noch 22, 2018 aber nur noch elf, berichtet Caroline Hamka vom Schiedsrichterausschuss. Im März fiel der Anwärterlehrgang aus, da es lediglich eine Anmeldung gab. Einige Schiedsrichter hören nach kurzer wieder Zeit auf.

Region. Sie moniert die kontinuierliche Entwicklung, dass Schiedsrichter auf dem Fußballplatz immer mehr wie »Freiwild« behandelt werden. Besonders fällt das im Jugendbereich auf. Eltern beleidigen sich am Spielfeldrand gegenseitig. Sobald der Schiedsrichter eine Entscheidung trifft, wird diese sofort ebenfalls kommentiert. Dies überträgt sich auch auf die Spieler, die eigentlich nur Fußball spielen wollen.

Nach den Begegnungen gibt es Fortsetzungen – unter anderem auch anonym in sozialen Medien. Schiedsrichter werden weiter kritisiert und als Grund für Niederlagen angegeben. In Vergessenheit gerät, dass jeder nur ein Mensch ist, der auch mal einen schlechten Tag haben kann. Schiedsrichter sollen hingegen immer funktionieren und dürfen keine Fehler machen. Vergessen wird der Stürmer, der das leere Tor nicht traf.

Viele Unparteiische beschweren sich über mangelnde Wertschätzung. Sie sind in ihren Vereinen oft auf einsamem Posten, ohne Bindung an das Vereinsleben, sofern sie nicht noch anderweitige Aktivitäten ausüben.

Kreisschiedsrichterobmann Werner Dingenthal und der Kreisschiedsrichterlehrwart Robert Lorenz blicken mit Besorgnis auf die Entwicklungen. Dingenthal berichtete, dass es bereits Begegnungen gab, bei denen man wegen Engpässen keinen neutralen Schiedsrichter einsetzen konnte. Bisher konnte man dies zum großen Teil vermeiden, da einige Spielleiter bereit waren, zwei Spiele pro Tag zu pfeifen.

Sollte sich der Trend fortsetzen, so wird die Konsequenz sein, so Dingenthal, dass es bei einigen Begegnungen keine Schiedsrichteransetzung gibt.
Er verweist darauf, dass permanent neue Schiedsrichter auszubilden seien, da einige  aufgrund von Veränderungen zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Leider scheuen sich aber viele davor, Verantwortung zu übernehmen oder sich in eine Gemeinschaft einzubringen. Sie lehnen es ab, ein Ehrenamt zu übernehmen.

Er befürwortet Strafen für Angriffe auf Unparteiische. Sein Wunsch ist, dass sie für Beleidigungen bei 200 Euro beginnen. Bei körperlichen Attacken sollte es eine Platzsperre von mindestens einem Jahr geben. Die Erhöhung der Strafen für fehlende Schiedsrichter sieht er hingegen kritisch. Es könnte dann zu Abwerbungsversuchen durch finanzstarke Vereine kommen, so dass kleine Sportvereine zwar Schiedsrichter ausbilden, selbst aber nichts davon hätten.

Lorenz wünscht sich zahlreiche Anmeldungen für den kommenden Anwärterlehrgang im August. Teilnehmen können Interessierte ab 14 Jahren. Gesucht werden zudem ehemalige Fußballspieler, die sich häufig durch ihr Spielverständnis und Erfahrungen auszeichnen. Wegen der sinkenden Anzahl und der Altersstruktur sei es zwingend notwendig, dass sich auch die Vereine an der Gewinnung neuer Schiedsrichter beteiligen, fordert Lorenz.

Schade sei, dass das Angebot des Schiedsrichterausschusses, Infoabende in den Vereinen abzuhalten, gar nicht genutzt werde. Wenn man bedenkt, dass Helmut Söhnholz mit 77 Jahren in der vergangenen Saison mit 86 Spielen die meisten Begegnungen geleitet habe, könne man sich vorstellen, wie es um das Schiedsrichterwesen in den kommenden Jahren bestellt sei.

Jeder aktive Sportler möchte am Wochenende Fußball spielen, so Dingenthal und Lorenz, ohne Schiedsrichter geht es aber nicht. Daher sollten alle in Zukunft wieder einen respektvolleren Umgang miteinander pflegen.oh

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